Menschenmassen
Heut ging, wenn auch unabsichtlich in den meisten gedrehten Szenen um eine große Anzahl an Menschen. Angefangen hat es allerdings recht klein. Auf dem Weg zur Bahn heut Mittag habe ich mal wieder einen dieser “Sammler” gesehen. Leute die davon Leben, Flaschen, Pappe und was sie sonst so finden zu sammeln und letztendlich zu verkaufen. Dabei schaffen sie es unendliche Mengen dieser Sachen auf die teilweise kleinsten Fahrräder der Welt zu stapeln. Ich hatte gestern schon eine Gruppe von Sammlern getroffen, die gerade angefangen haben systematisch einen großen Müllberg auf ein kleines Dreirad zu packen. Leider wollten sie mich nicht Filmen lassen und haben sich so lange ich in Sichtweite war auch keinen Zentimeter bewegt. Naja, mit so einem hat es heute angefangen, nur habe ich ihn diesmal beim Stapeln aufs Band bekommen.
Das nächste was sich so ergeben hat war beim Transfer von Linie 13 zu Linie 2 am XiZhiMen. Nachdem Man dort eine geschätzte Ewigkeit unterwegs ist um zum eigentlichen Bahnsteig zu kommen, muss man auch kurz nach draussen, durch einen Hinterhof, um dann schließlich wieder in den eigentlichen Bahnhof zu kommen. Die Beschilderung ist hier an sich eindeutig, dennoch schaffen es 500 Chinesen, dem ersten der nicht auf die Beschilderung achtet, zu folgen… 
Kurz Danach durfte ich dann noch Zeuge einer wahren Flut von Menschen werden. Da der Bahnsteig der Linie 2 am XiZhiMen in der Mitte zwischen den Gleisen liegt, habe ich mich am Ende einer der Seiten aufgebaut und kurz gewartet. Ich hatte Glück und die Züge aus beiden Richtungen sind gleichzeitig eingefahren und haben in die leere Halle eine unbeschreibliche Masse an Menschen gepumpt. Noch ein lustiges Spektakel was seinen Weg auf meine Kamera gefunden hat.
Naja, es ging dann für mich weiter Richtung TianAnMen, wo ich eigentlich gehofft habe so richtig große Menschenmassen anzutreffen. Leider muss ich das wohl auf Samstag/Sonntag verschieben. Das Wetter heute war einfach unbeschreiblich. Abgesehen davon, dass es bitterkalt war, hatte man sage und schreibe knapp 200m Sicht gehabt. Das hat wahrscheinlich dann auch die meisten der Touristen dazu veranlasst den Platz zu meiden, denn die paar Leute die da unterwegs waren hätte ich fast an 3 Händen abzählen können. Am meisten hab ich es daran gemerkt, dass ich alle 10min von einem anderen paar junger Mädchen angeredet wurde, die nach etwas hin und her und ein wenig “oh dein chinesisch klingt aber toll” gern mit mir nen Tee trinken gehen wollten. Sicher!… Glaub ab der 5. Gruppe bin ich dann langsam auch etwas unfreundlich geworden. Aber was soll man machen wenn man als eine Art Freiwild, bzw. als einzige Langnase auf dem größten Platz der Welt unterwegs ist.
Irgendwann war auch klar, dass hier nicht mehr viel passiert, also habe die paar geplanten Einstellungen gemacht und bin dann weiter Richtung WangFuJin gelaufen. In einer Unterführung hat sich dann auch wieder ein kleines Schauspiel ereignet. 5 Leute haben da so lustige, leuchtende Spielzeugkreisel verkauft. Also habe ich mich in die Ecke gehockt und das ein wenig gefilmt. 10 Sekunden später haben sich dann 2 Leute neben mich gestellt und geschaut was ich Filme. Die 2 waren wie sich herausgestellt hat die Art Wachmannschaft dieser Verkäuferbande. Kurze Zeit später kam auf der anderen Seite ein Polizist in die Unterführung. Die 2 Jungs gaben lustige Pfiffe und Laute von sich und innerhalb von wenigen Sekunden haben die Verkäufer das Spielzeug eingesammelt und sind koordiniert in verschiedene Richtungen abgehauen. Da ich es nicht ganz auf Band hab geh ich mir das am Wochenende auf jeden Fall nochmal anschauen.
Dann ging es weiter zum WangFuJing, bekanntlich eines der teuersten Einkaufsgebiete in Beijing, das Shops jeder weltweit bekannten Marke enthält. Hier wollte ich mal schauen welche Menschen eben in diesen Läden einkaufen. Da hier auch recht wenig los war habe ich mich irgendwann einfach hingehockt und ein bisschen durch die Gegend geschaut. Dann hat sich lustigerweise zum Thema Gegensätze: Arm/Reich in China, was auch ein geplanter Teil der Arbeit ist, ein fast perfektes Bild geboten. Neben mir am Papierkorb fing plötzlich jemand an im Müll zu wühlen und nach Pappe und Flaschen zu suchen. Ab dem 2. Papierkorb habe ich dann angefangen das ein wenig aufzuzeichnen. Ich war immer ganz nah an ihm dran und bin im um die 5min hinterhergelaufen und habe ihn dabei gefilmt. Knapp 10 Papierkörbe später scheint er dann aufzuhören, ich zoome etwas zurück um etwas mehr von der Umgebung preis zu geben und als ob es geplant war schafft der man es sich perfekt vor dem in gold gehaltenen Rolex Geschäft am WangFuJing zu setzen. Priceless!
Naja, dann war es auch schon wieder nach 5 und die im SMOG nicht wirklich aufgegangene Sonne hatte sich nun komplett zurückgezogen. Ich habe mir noch einen Kaffee gegönnt und gewartet bis es wirklich richtig dunkel war. Dann habe ich mir die nächstgelegene Kreuzung der ChangAn mit nicht allzu weit entfernter Überführung gesucht, meine Gerätschaften aufgebaut und dort ein bisschen gefroren. Das Ergebnis in bewegten Bildern gibt es erst später, aber Fotos kann ich euch jetzt schon zeigen. Mal schauen ob ich für die kommenden Tage noch weitere solcher Plätze finden werde um das etwas weiter führen zu können. Fotos liegen mir mehr als bewegte Bilder…




Nach diesem letzten Bild war ich dann allerdings auch schon am zittern vor Kälte und habe mein Gerät abgebaut und bin in der U-bahn verschwunden. Da es Rushhour war hab ich es auch noch geschafft ein bisschen das Schlangestehen und das reinspringen und reindrücken in den Zug zu filmen. Das war dann der letzte recht gelungene Akt für diesen Tag. Zu sehen wie jemand mit seinem gesamten Gewicht in die noch offene Tür eines komplett voll gepackten Wagens springt, sich dabei an der Haltestange oben festhält und sich noch mit aller Kraft in den Wagen hereinzieht bevor die Türen komplett geschlossen wurden, einfach sagenhaft!
Dann gab es endlich zum ersten mal Chuar seit ich in Beijing bin und direkt ist mir wieder aufgefallen wie genial die Idee von Fleisch am Spieß doch ist…
Mal sehen was es Morgen zum Nachtisch gibt…










