So dreckig war ich noch nie… filthy ist das richtige Wort!
Ok. Wir sind ja auf dem Weg nach Chengdu sehr gut gefahren. Haben viel Spass gehabt und haben uns ehrlich gesagt auf diese Fahrt gefreut. 27h Fahrt, die wir aus dem Fenster schauen koennen, neue Leute kennenlernen, etwas lesen und entspannen koennen. Aber diesmal sollte alles anders kommen. Wir standen also an diesem Zug. Er sah aus wieder jeder andere und wir haben uns von Aussen nichts gedacht. Doch als wir zur Tuer hinein sind mussten wir schon feststellen, dass irgendwas anders ist. Wir haben so viel gesehen und erlebt auf unserer Reise, das die erste Fahrt schon so weit weg war und die Bilder verschwommen waren. Aber trotzdem kam es uns auf Anhieb anders vor. Es war irgendwie der gleiche Zug, nur 20 Jahre aelter. Die Decken auf den Betten waren nicht wess und Frisch bezogen. Der Boden war nicht mit Teppich, sondern mit haesslichen Linoleum verlegt. Die Fenster waren trueb und was dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt hat… es gab keine Klimaanlage!!! Spaetestens als der Zug voll war und wir mit 60 Leuten in diesem Wagon waren, bei 36 Grad im Schatten und 80% Luftfeuchtigkeit, wussten wir, dass es diesmal irgendwie anders werden wuerde. Allerspaetestens… als wir uns dann breit gemacht haben und unsere 6Mann-Abteil Mitbewohner kennengelernt haben wussten wir warum es diesmal wirklich anders werden wuerde. Da war also diese kleine Familie. Netter Mann, nette Frau, suesse Tochter… und was? Ein Baby!?! Das mir dann auch promt zur Begruesung auf den Fuss gepinkel hat… man traegt ja keine Windel!… ja, somit waren die ersten 5 Minuten im Zug vorbei und wir haben schon bereut und den naechsten 1615 Minuten bedrueckt entgegengeschaut.
Ziel ist es nichts zu machen. Einfach liegen. Nicht bewegen. Die Phasen geniessen wennd er Zug schnell faehrt und etwas Wind ist. DENN es gibt ja keine Klimaanlage! Nur nicht bewegen. Doch, verdammt. Schon weider etwas Schweiss mehr… somit verbrachten wir 3 die naechsten 27 Stunden. Kaempfen mit unserem eigenen Ekel vor uns selbst. Es hat gar nicht so viel mit den vielen anderen schwitzenden, stinkenden Menschen zu tun. Das pinkelnde, schreiende und Mama auf den Schoss und mir auf den Fuss machende Baby war auch nicht das grosse Problem… es was einfach der Ekel vor uns selbst. Man merkt wie man von Minute zu Minute mehr verwest, ohne auch nur eine Chance zu haben etwas dagegen tun zu koennen. Holflos im Zug umgeben von Luftfeuchtigkeit und eingesperrt in der Sauna… HILFE!
Ja… in 27h muss ein Baby allerhand Pipi machen… nicht immer wurde der Boden so solide getroffen… meine Fuesse mussten 3 mal herhalten… Hihi… man beachte auch Marios Fuss hier auf dem Boden… irgendwann gewoehnt man sich an seinen eigenen Dreck und steht dann auch in dem Drecksschuppen Barfuss auf dem Boden. Oder lag es an der Hitze die sogar das Sandalen tragen zum Kampf gemacht hat?
Hier die optimale Pose. So bequem wie moeglich liegen mit so wenig Koerperkontakt mit irgendwas. Den Kalorienverbrauch auf 0 senken, die Koerpertemperatur herunterfahren und nichts essen… versuchen einfach sich nicht noch ekliger zu fuehlen… Man beachte wie meine Haut spiegelt…
Naja. Es waren die 27 ekligsten Stunden unseres Lebens… klingt jetzt vielleicht alles nicht so schlimm, aber als wir an der Hostel angekommen sind, mussten wir ernsthaft feststellen, das nach 3 Tagen Festival ohne Dusche, 5 Tage Biwak mit 30km Marsch ohne Dusche… Wir habens uns ernsthaft noch nie koerperlich selbst so verabscheut wie in diesem Moment… auf der anderen Seite kann ich das Gefuehl nicht beschreiben, wie es war das kalte Wasser unter der Dusche aufzudrehen und mir den Tag Ekel von der Haut zu spuelen. Wir haben es ueberstanden und koennen nun lachend darauf zurueckblicken, aber nochmal, Nein danke!
Frisch geduscht und mental in Guilin angekommen kann es nun auch direkt losgehen. Es ist zwar schon wieder 5 aber mal schauen was die Stadt so zu bieten hat. Darueber aber dann morgen mehr…