Willkommen in Renis China

Vom ersten Tag an, an dem die kleine Reni hier war hab ich mir die Enttaeuschung ihrerseits anhoeren muessen. Alles was ueber China im Fernsehen so oft suggeriert wird hat sie in der ersten Woche komplett vermisst. Ruhe, Disziplin, Natur, usw…. So wie wir es aus Dokus und kuenstlerischen Filmen kennen. Was sie dann hier bekommen hat war viel Laerm, schlechte Luft, unfreundliche Leute, Hektik und Dreck… zumindest auf den erste, kurzen Blick.

Heut war es an mir dieses Bild zu aendern. Ob die Mission glueckt, wusste ich selber nicht, da ich von diesem magischen Ort nur gehoert habe aber selber noch nie hier war. Ziel des heutigen Ausflugs war der XiangShan, der DuftBerg, sozusagen.

Gestartet sind wir wie jeden Tag, aufstehen, uns doof angucken, waschen und raus aus dem Haus. Fix am Supermarkt vorbei, Rationen auffuellen und rein in den Bus. Hier begann schon das erste Wunder. Nach einer Woche Dauertour in Beijing haben wir das erste Mal ab Start einen Sitzplatz bekommen, beide. So waren die 40min bis zur Endstation der Linie 331 ein absoluter Genuss.

An der Endstation erwartete uns ein kleines idyllisches Doerfchen, das schon eine gewisse Ruhe ausstrahlte und nur von wenigen Leuten am heutigen Tag heimgesucht wurde. Allgemein war heut wenig los, da es trotz Sonntag ein Arbeitstag war, weil nach dem Donnerstag als Feiertag, der Freitag zum offiziellen Sonntag erklaert wurde und halt heut am Sonntag der Freitag nachgeholt wurde, wenn das Sinn ergibt?!?. Aber egal, das Doerfchen war trotzdem schoen. Viele kleine Laeden, mit Essen und selbstgebastelten Sachen. Hier schlugen wir auf dem Fussweg zum Eingang des XiangShan Parks auch gleich deftig zu, als wir das Wort JianBing gelesen haben. Hierbei handelt es sich um die ShanDong Version unseres beliebten JianBings…. lecker…img_1340 Doener, mit ohne Fleisch, aber einem Spiegelei, etwas frischem Koriander, Schnittlauch und anderem Gruenzeugs, echt gut fuer seine 30ct…

Dann ging es aber auch schon rein in den Park, der auf den ersten Blick suess klein ist, aber wenn man die Karte sieht und mal 2h unterwegs war doch relativ riesig anmutet. Was auf den ersten Blick zu erwaehnen ist, ist der Geruch. Die frische Luft hat uns den Atem geraubt. Ich fuer meinen Teil war es schon gar nicht mehr gewohnt tief einatmen zu duerfen! Blumen ueber Blumen gaben der Luft hier wunderschoene Gerueche, je nachdem worauf man gerade Lust hatte, gab es eine andere Ecke mit bunten Bluemchen. Diese Geruchssensation hat viele Emotionen freigesetzt, dazu noch ein bisschen Wahnsinn…img_1360 In der Mitte des Parks, am Fuss des Berges liegt dann noch ein kleines Teichlein, samt mini Wasserfall. Reni hat sogar kleine Fischchen in dem sehr sehr naturtrueben Wasser erkannt… ich nicht! Im Hintergrund dann noch der Lustige Wasserfall hier zu erkennen… Reni perplex, darum so deppert mittendrin.img_1381 Photogen ist was Anderes!…aehm, ja

Weiter gehts. Wo ist ein Berg, da ist ein Seilbahn. Chinesisches Motto… glaub ich zumindest. Egal wo ich was ueber 100m Hoehe seh, da ist ne Seilbahn. Naja, wir haben uns aus Tausend Gruenden gegen die Seilbahn entschieden(6Euro, ich hab entschieden). Abgesehen davon, wer will schon gegen die Sonne 15min Bergauf in nem Skilift sitzen? Wir laufen! Und wie wir laufen! img_1387 Ich mag an sich ja gern bergauf laufen. Bergab geht mir zu sehr auf die Knie. Und ich kann hier auch nur jedem der gern bergauf mag empfehlen mal uzm XiangShan zu fahren. Denn die gut und gern 2500 Stufen auf den 482m hoeher liegenden Gipfel kann man auch in 1,4km Stufen erreichen. Das war unser Ziel, weit vor uns… den Schweiss im Nacken. img_1399img_1406 Teppen mag ich schon, aber wenn ich sowas seh, vergeht sogar mir die Lauen. Aber wir ziehen durch und steigen weiter. Ein Kampf gegen den Schweiss, der uns kalt den Ruecken herunter lief… Naja, fast. Es war auf jeden Fall ziemlich anstrengend, vor allem fuer Renis kleines Herz. Wir haetten es sicher auch geschafft, wenn da nicht die Seilbahn waere. Hoch war zu teuer und doof, aber runter wollt ich dann schon nicht laufen. Wir sind dann nach ner guten Halben Stunde und 7 Pausen auch am mittleren Zwischenposten angekommen, wo dann lustigerweise die Durchsage lief, dass die Bahn zu macht… Nervt! Jetzt standen wir vor der Wahl… ne es war keine, wir sind umgedreht. Aber auf der anderen Seite. Da gabs ja noch Pagoden, Tempel und viel lustigere Treppen die wir dank der Seilbahn fast gar nicht gesehen haetten.img_1437 Treppenbau kann man das nicht wirtklich nennen. Ich nenne das mal: Ich hau hier mal paar loecher in den Boden! Auf solch abenteuerlichen Pfade waren wir keineswegs vorbereitet, beide mit FlipFlops bewaffnet… Aber wir haben es durchgestanden, mit viel Ruhe und deutscher Sorgfalt wenn es um Fortbewegung geht. Im Hintergrund auch schoen nicht zu erkennen, Beijing, die Stadt die im Smog versunken ist, am sonnigsten Tag des Jahres. Was die Stimmung im Park nicht im geringsten trueben haette koennen. Es war wirklich in jeglicher Weise perfekt, besser als man es sich haette vorstellen koennen. So viel Natur hab ich im 10km Radius um Beijing nicht erwartet. Schoenere ansatzweise Sonnenuntergaenge habe ich auch selten gesehen, als hier am Berg.img_1461 Der Abstieg, da auf anderen Pfaden, schlaengelnd und flach hat sich dann auch gut in die Laenge gezogen. So blieb uns aber auch kein einziger der wunderschoenen Anblicke entbehrt, was jede Sekunde laenger am Laufen rechtfertigte. Auf unserem Weg nach unten kamen wir selten an Leuten vorbei, wie den ganzen Tag ueberhaupt. Wenige Leute, meist Jogger die nach der Seilbahn hinauf, den Weg herabjoggten, oder andere Paerchen die den Tag frei hatten, kam es dann halt auch mal zu 10min Zweisamkeit in Beijings Natur… In dieser Zweisamkeit konnte man sich ganz in Ruh auch mal verschollene Pagoden im Wald anschauenimg_1491 oder man nimmt sich die Zeit die Natur und ihre Geschoepfe mal so richtig aus der Naehe zu beobachten.img_1511 In mitten des Waldes im Park gibt es dann noch eine kleine Tempelstadt, die glaub ich nur aus der Vogelperspektive richtig zu erkennen ist. Was uns blieb waren ab und an mal kleinere Ruinen und Tempel in denen man gut und gern mal Gebutstag feiern koennten und richtig fein Verstecken spielen kann.img_1527 Das Wetter und der Wald hat uns dann auf dem Rueckweg runter in den Park, Richtung Ausgang dann noch mit dem einen oder anderen Lichtspiel verwoehnt,… img_1571bevor wir und dann durch den Park geschlichen haben um die untergehende Sonne zu geniessen. So viel frische Luft, so viel Ruhe und so viel Sorglosigkeit gab es, zumindest fuer mich schon lange nicht mehr. Grund genug nochmal die letzten uebrigen grauen Haare zu zupfen und zu geniessen. img_1592
So tranquiliert wie wir Beide danach drauf waren, haben wir uns noch mit Essen und Suessigkeiten vollgepackt, sind Richtung Bus gelaufen und haben wieder 2 freie Plaetze bekommen. Eine ruhige Fahrt als Abschluss eines absolut ruhigen Tages. Am Ende bleibt mir nur zu sagen, dass der XiangShan, bzw der Park der dazu gehoert auf jeden Fall zu den sehenswerteren Sachen gehoert die Beijing zu bieten hat. Reni hat fuer einen Tag das China bekommen was sie sich vorgestellt hat und ich konnte nach 3 Monaten Stadt auch mal Vogelzwitschern hoeren. Und ich vermisse es jetzt schon…


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