Einkaufen mal Anders Tag 1
Attention: der Text zieht sich, ist ne lange Geschichte mit vielen Details, die mich noch viel mehr Nerven gekostet haben…
Jeder kennt sie, jeder nutzt sie, doch wird man sie vermissen? Diese Frage hab ich mir wie jeder Andere noch nie gestellt, nur wurde ich kuerzlich gezwungen mir eine Antwort zu ueberlegen. Folgendes ist passiert… um es kurz zu fassen: jedes mitgebrachte elektronische Geraet ist innerhalb der ersten 2 Wochen in China kaputt gegangen (kein gutes Zeichen fuer in Deutschland gekaufte Elektronikartikel)… Handy, Kamera, MP3 Player und zu guter Letzt mein Laptop. Die ersten 3 kann ich durch Toleranz und Ausreden bis Dato noch ignorieren, aber mit einem kaputten Laptop im Ausland ganz fuer sich allein, kein Handy, kein Kontakt zur Aussenwelt… UNMOEGLICH!
Fast 2 Wochen lief es gut, doch dann habe ich mich dazu durchgerungen zum sog. ZhongGuanCun Elektronik Markt (中关村 电子市场) zu fahren. Warum ist das so eine Qual? Eine deutscher Elektronikmarkt hat im Schnitt hoechstens 3 Stockwerke, 23 Angestellte, 18 Kassen und 763 Quadratmeter Flaeche… in China ist das etwas anders… groesser…!
Eben jener Markt ist eine Kleinstadt, mit ca. 20+ relativ gleich aussehenden 20 stoeckigen Hausern, bei denen die ersten im Schnitt 6 Stockwerke als Marktflaeche zaehlen. Klingt komisch und schwer vorstellbar, aber am Ende ist es der wahrscheinlich groesste Elektronik Basar der Welt. Handys, Computer, Laptops, Kameras und an sich alles was mit Strom laeuft gibt es hier im Ueberfluss…
Was war nun meine Aufgabe? Genau, in dieser Kleinstadt einen Laptop finden, kaufen und mit nach Hause nehmen. Was auf deutsch oft schon ein relativ langer Akt ist wird im chinesischen noch um einiges spannender…
Es ist Samstag Mittag, Hausaufgaben sind natuerlich schon fertig, ich habe Geld dabei, ich habe Zeit und mir durch einen Gefallen am Vortag(Sachen von IKEA durch die Stadt getragen), die gute Julia als Begleitung erzwingen koennen. Ab ins Taxi und los dem neuen Laptop entgegen. Nun stehen wir 15min spaeter im Schatten der Gebaeude in Mitten des ZhongGuanCun. Ich war schonmal hier gewesen, ohne mir etwas kaufen zu wollen, diesmal mit Ziel und Kaufwunsch wuerde es etwas leichter und stressfreier werden, aber Pustekuchen.
Kaum sind wir 2 durch den Vorhang des ersten Gebaeudes wurden wir von 20 Verkaeufern belagert, es wurde wie ein Maschinengewehr mir Worten auf uns eingewirkt, es wurde an uns gezogen und geschoben und unsere Luft wurde von den Leuten um uns quasi vor unserer Nase weggeatmet… Die hunderte Verkaufer in diesem Gebaeude(HUNDERTE), sahen den Kampf und den Umsatz als eroeffnet an und Julia und ich nicht im geringsten vorbereitet waren der Masse an Verkaufern nicht nur 1:15 unterlegen sondern auch erfahrungtechnisch weit hinterher. Rueckzug! Luft schnappen, Plan erarbeiten. Auch wen es hier guenstig Elektronik gibt ist wider erwarten kaum ein Westler hier gewesen um einzukaufen, wir waren anscheinend die Einzigen die an diesem ueberfuellten Samstag dort unterwegs waren.
Leider verbindet man mit weisser Haut und westlichen Gesichtszuegin immernoch Wohlstand und Kaufkraft. Dazu kommt das wir uns auf chinesisch gewehrt haben, was uns am Ende noch angreifbarer gemacht hat.
Zeit vergangen: 1h, Laptops angeschaut: 3(aus Entfernung), geflucht: 27 mal
Julia kam mit der ueberaus brillianten Idee auf sich absolut doof zu stellen, weder englisch noch chinesisch zu reden. Mit neuer Kraft, neuem Schwung und guter Mine stiegen wir durch das naechste Tor in ein weiteres Gebaeude ein, diesmal wild vor uns auf deutsch herbrabbelnd ohne wirklich etwas zu bereden zu haben oder miteinander reden zu wollen… aber die Taktik schien zu funktionieren… oft ohne wirklich behelligt zu werden konnten wir uns selbst mal hier und da einige Geraete anschauen. Erst als ich dann anfing fragen zu eben jenen Laptops zu stellen und mich als der chinesischen Sprache maechtig ergab, ging das Gebrabbel wieder los, was oft zur schnellen Flucht fuehrte.
Ich habe mich ja im Vorfeld schon erkundigt und bin dann bei meiner Suche bestaetigt worden. Der Sieger der Auswahlperiode ist der Lenovo Y530. 
Nun, jetzt da ich weiss was ich will, muss nur noch herausfinden wo ich es kaufen will und wie viel ich bereit bin dafuer auszugeben. Der Tag verlief noch nach gleichem Schema weiter… Rein ins Gebaeude, suchen, anfangen chinesisch zu reden, raus aus dem Gebaeude, Pause, usw.
Einmal stand ich kurz davor mir eben jenen Laptop zu erstehen, als die Verkaufer ja feststellen mussten, dass es kein englisches Betriebssystem gibt, bzw ich das noch fuer 500 Yuan (60Euro) erstehen muesse…
Julia und ich sahen das als Zeichen um brachen hier ab und verschwanden schneller als wir gekommen sind.
Fazit Tag 1: 4h Vergangen; 6,8km gelaufen; 1426 Verkaeufer gesehen; 12 Gebaeude betreten: 7 mal das Gebaeude rennend verlassen: wurde 27 mal am rechten Aermel gezogen, 36mal am Linken; 2h taub auf dem linken Ohr;habe nach 68min angefangen laut zu fluchen; … und bin am Ende mit eingezogenem Schwanz wieder abgezogen…
To be continued…