Apr 27 2009

Einkaufen mal Anders Tag 2

Nachdem Tag 1 mehr oder weniger erfolglos ausgegangen ist, haben Viele mit einer weissen Flagge meinerseits gerechnet… aber so schnell gebe ich mich nicht geschlagen.

Ich habe mir den Lenovo Y530 als meinen neuen Laptop ausgesucht und wollte auch keinen Anderen mehr in Betracht ziehen. Damit stand nun endgueltig fest, was ich moechte. Ich wollte aber auch keine 2 Wochen suchen, warten, vergleichen und dann doch Nichts kaufen, also stand auch fest dass ich sofort nochmal los muss. Das mit dem chinesischen Betriebssystem spielte dann nur eine untergeordnete Rolle, denn ich wollte den Rechner. Ich brauchte ihn, zumindest redete ich mir das ein.

Also neuer Plan… statt geplant, mit Begleitung, viel Zeit und Ruhe bin ich am Folgetag direkt nochmal zum ZhongGuanCun gefahren. Nur diesmal allein, verzweifelt, nervoes, unruhig und genervt. Alles in Allem sehr gute Erfolgsaussichten.

Wo suchen wir denn Heute? Gar nicht! Denn ich habe ja wie gesagt am Vortag schon einen Laptop fast gekauft, habe ihn angeschaut, ihn angefasst und schon eine tiefgruendige Beziehung mit ihm aufgebaut. Ich wusste, dass eben jener Laptop zu mir gehoert, wir nur derzeit getrennt wurden. Seelenverwandte, die nur noch einen Weg finden muessen.  Ergo: ab zu dem gleichen Verkaeufer, ein laecheln hier, ein grinsen da… die Chinesen wussten heut fliesst Geld… aber so leicht wuerde auch ich mich nicht geschlagen geben. Innerhalb von 2min nach Betreten des Tempels von einem Markt war ich schon genausoweit wie an Tag 1 nach 4h. Jetzt gingen die Verhandlungen los… Preis und Ausstattung. Zur Ausstattung gibt es abgesehen von der Windowsversion von mir Nichts zu bemaengeln, bei eben jener wurde mir versicher das es da keine Probleme gibt, also zum Preis. Den Listenpreis habe ich mir ja bei Lenovo direkt schon herausgesucht und nach ca. 30 min hin und her und aus dem Laden laufen zurueckgeholt werden und wieder gehen und beim naechsten Haendler schauen waren wir dann soweit dass ich auch den Listenpreis bekommen habe. Weniger ist leider nicht dirn gewesen, weils ein offizieller Haendlcer war und kein “vom Laster gefallener” Laptop. Zum Preis und Modell hab ich lange die Nacht vorher ueberlegt und bin dann bei sage und schreibe 850 Euro fuer ein Ersatzlaptop gelandet (der dann den alten auch mal gut und gerne 3 Jahre ersetzen kann).

Modell stand fest, Preis steht fest… was fehlt? Das Geld.  Natuerlich hatte ich keine 850 Euro, bzw 7500 Yuan dabei. Aber eine Kreditkarte. Problem Nummer 1. Kreditkartengebuehren uebernimmt immer der Verkaeufer, welche die chinesischen Verkaeufer dann gern auf die Kaeufer abwaelzen… Ergo waren es ploetzlich 8000 Yuan… Nicht mit mir: “Hier wirds doch ne Bank geben!”… Also Bargeld ranschaffen. Zum Kauf hatte ich ja zugesagt, also wollte man mich nicht einfach so abziehen lassen ohne etwas da zu lassen, also hat man mir prompt einen Verkaeufer als Bodyguard mitgeschickt. Der Folgte mir dann gut und gern eine Stunde durch den ZhongGuanCun. Denn 7500 Yuan abzuheben ist in China gar nicht so einfach. Viele Banken lassen einen nur 1-2 mal am Tag abheben und auch nur zwischen 1000-3000 Yuan. Sodass ich am Ende 4 Banken und 4km Fussweg gebraucht habe um dann mit 4 Umschlaegen voll Geld in den Laden zu gehen.

Das Geraet wurde eingepackt, es wurde gehandelt… eine Maus wurde hinzigegeben, es wurde gehandelt… eine Tasche wurde hinzigegeben, es wurde gehandelt… eine Fernbedienung wurde hinzugegeben, es wurde gehandelt… ein USB Stick wurde hinzugegeben und ein paar Traenen auf Seiten der Verkaeufer vergossen.

Steffi war gluecklich, die Verkaeufer waren fast gleucklich. Aber Steffi war noch nicht zufrieden gestellt. Da war doch was mit dem Betriebssystem. Englisch bitte! Man dachte wohl ich haette das vergessen und ploetzlich seh ich 5 Verkauefer wie wild in den restlichen Makrt rennen und musste 30min spaeter festellen, dass es doch keine englische Version gibt. Nicht mit mir! Nochmal von vorn… Alles laufen los und zurueck kommt einer davon mit einer DVD… natuerlich einer wunderschoen gefaelschten Orginalversion von Windows Vista…hmmm

Dann macht mal dacht ich mir, es wurde formattiert, installiert, geraetselt was die englischen Woerter wohl bedeuten und am Ende fuehrte alles doch nur zu einem Blue Screen. Bis ich mir die Bloesse gab und mich  selbst ran setzen  musste um dann festzustellen dass auch DVD Nummer  2 nur einen BlueScreen verursachte. Also alles einpacken, mit Verkaeufer los rennen und 3 Gebaeude weiter zum offiziellen Service Center gehen, 30min warten um dann erklaert bekommen, das Gefaelscht mit Neu nicht so gut harmoniert.

Das hin und her gelaufe ging dann so lang weiter bis die Verkaefer endlich festgestellt haben was “Deustch” wirklich bedeutet und dass ich den Laden nicht verlass bevor ich nicht ein funktionierendes System habe. Also suchte man weiter und weiter und um nun mal einiges Vorweg zu nehmen…

Fazit Tag 2: 7h vergangen!!!!; 4 Banken besucht; 4km gelaufen; 6 Kaffe (loeslich) getrunken; 6 Verkaeufer arbeitstechnisch gebunden; 4 DvD genutzt; eine davon zum laufen bekommen; Zubehoer erstritten und trotzdem zu viel bezahlt…

Steffi hat nen neuen Rechner!!!!


Apr 23 2009

Einkaufen mal Anders Tag 1

Attention: der Text zieht sich, ist ne lange Geschichte mit vielen Details, die mich noch viel mehr Nerven gekostet haben…

Jeder kennt sie, jeder nutzt sie, doch wird man sie vermissen? Diese Frage hab ich mir wie jeder Andere noch nie gestellt, nur wurde ich kuerzlich gezwungen mir eine Antwort zu ueberlegen. Folgendes ist passiert… um es kurz zu fassen: jedes mitgebrachte elektronische Geraet ist innerhalb der ersten 2 Wochen in China kaputt gegangen (kein gutes Zeichen fuer in Deutschland gekaufte Elektronikartikel)… Handy, Kamera, MP3 Player und zu guter Letzt  mein Laptop. Die ersten 3 kann ich durch Toleranz und Ausreden bis Dato noch ignorieren, aber mit einem kaputten Laptop im Ausland ganz fuer sich allein, kein Handy, kein Kontakt zur Aussenwelt… UNMOEGLICH!

Fast 2 Wochen lief es gut, doch dann habe ich mich dazu durchgerungen zum sog. ZhongGuanCun Elektronik Markt (中关村 电子市场) zu fahren. Warum ist das so eine Qual? Eine deutscher Elektronikmarkt hat im Schnitt hoechstens 3 Stockwerke, 23 Angestellte, 18 Kassen und 763 Quadratmeter Flaeche… in China ist das etwas anders… groesser…!

Eben jener Markt ist eine Kleinstadt, mit ca. 20+ relativ gleich aussehenden 20 stoeckigen Hausern, bei denen die ersten im Schnitt 6 Stockwerke als Marktflaeche zaehlen. Klingt komisch und schwer vorstellbar, aber am Ende ist es der wahrscheinlich groesste Elektronik Basar der Welt. Handys, Computer, Laptops, Kameras und an sich alles was mit Strom laeuft gibt es hier im Ueberfluss…

Was war nun meine Aufgabe? Genau, in dieser Kleinstadt einen Laptop finden, kaufen und mit nach Hause nehmen. Was auf deutsch oft schon ein relativ langer Akt ist wird im chinesischen noch um einiges spannender…

Es ist Samstag Mittag, Hausaufgaben sind natuerlich schon fertig, ich habe Geld dabei, ich habe Zeit und mir durch einen Gefallen am Vortag(Sachen von IKEA durch die Stadt getragen), die gute Julia als Begleitung erzwingen koennen. Ab ins Taxi und los dem neuen Laptop entgegen.  Nun stehen wir 15min spaeter im Schatten der Gebaeude in Mitten des ZhongGuanCun. Ich war schonmal hier gewesen, ohne mir etwas kaufen zu wollen, diesmal mit Ziel und Kaufwunsch wuerde es etwas leichter und stressfreier werden, aber Pustekuchen.

Kaum sind wir 2 durch den Vorhang des ersten Gebaeudes wurden wir von 20 Verkaeufern belagert, es wurde wie ein Maschinengewehr mir Worten auf uns eingewirkt, es wurde an uns gezogen und geschoben und unsere Luft wurde von den Leuten um uns quasi vor unserer Nase weggeatmet… Die hunderte Verkaufer in diesem Gebaeude(HUNDERTE), sahen den Kampf und den Umsatz als eroeffnet an und Julia und ich nicht im geringsten vorbereitet waren der Masse an Verkaufern nicht nur 1:15 unterlegen sondern auch erfahrungtechnisch weit hinterher. Rueckzug! Luft schnappen, Plan erarbeiten. Auch wen es hier guenstig Elektronik gibt ist wider erwarten kaum ein Westler hier gewesen um einzukaufen, wir waren anscheinend die Einzigen die an diesem ueberfuellten Samstag dort unterwegs waren.

Leider verbindet man mit weisser Haut und westlichen Gesichtszuegin immernoch Wohlstand und Kaufkraft. Dazu kommt das wir uns auf chinesisch gewehrt haben, was uns am Ende noch angreifbarer gemacht hat.

Zeit vergangen: 1h, Laptops angeschaut: 3(aus Entfernung), geflucht: 27 mal

Julia kam mit der ueberaus brillianten Idee auf sich absolut doof zu stellen, weder englisch noch chinesisch zu reden. Mit neuer Kraft, neuem Schwung und guter Mine stiegen wir durch das naechste Tor in ein weiteres Gebaeude ein, diesmal wild vor uns auf deutsch herbrabbelnd ohne wirklich etwas zu bereden zu haben oder miteinander reden zu wollen… aber die Taktik schien zu funktionieren… oft ohne wirklich behelligt zu werden konnten wir uns selbst mal hier und da einige Geraete anschauen. Erst als ich dann anfing fragen zu eben jenen Laptops zu stellen und mich als der chinesischen Sprache maechtig ergab, ging das Gebrabbel wieder los, was oft zur schnellen Flucht fuehrte.

Ich habe mich ja im Vorfeld schon erkundigt und bin dann bei meiner Suche bestaetigt worden. Der Sieger der Auswahlperiode ist der Lenovo Y530. Meins

Nun, jetzt da ich weiss was ich will, muss nur noch herausfinden wo ich es kaufen will und wie viel ich bereit bin dafuer auszugeben. Der Tag verlief noch nach gleichem Schema weiter… Rein ins Gebaeude, suchen, anfangen chinesisch zu reden, raus aus dem Gebaeude, Pause, usw.

Einmal stand ich kurz davor mir eben jenen Laptop zu erstehen, als die Verkaufer ja feststellen mussten, dass es kein englisches Betriebssystem gibt, bzw ich das noch fuer 500 Yuan (60Euro) erstehen muesse…

Julia und ich sahen das als Zeichen um brachen hier ab und verschwanden schneller als wir gekommen sind.

Fazit Tag 1:    4h Vergangen; 6,8km gelaufen; 1426 Verkaeufer gesehen; 12 Gebaeude betreten: 7 mal das Gebaeude rennend verlassen: wurde 27 mal am rechten Aermel gezogen, 36mal am Linken; 2h taub auf dem linken Ohr;habe nach 68min angefangen laut zu fluchen; …                                                                                                                                                     und bin am Ende mit eingezogenem Schwanz wieder abgezogen…

To be continued…


Apr 21 2009

Steffi wird beruehmt… mit Brot und Kaese

China ist ja bekanntlich in aller Munde. Hier gibt es Geld, hier will man hin… Die Chinessen haben sich angeblich an den Anblick von Westlern gewoehnt, starren einen nicht mehr an oder versuchen einen bei jeder Gelegenheit uebers Ohr zu hauen.

Aber ab und zu sieht man doch wieder einen Lichtblick und bekommt kleine Momente zu Gesicht in denen man sich mal wieder in dem Ruhm eines Westlers suhlen darf, da man gebeten wird Fotos oder Aufnahmen fuers Fernsehen zu machen (was natuerlich viel Zeit kostet und eigentlich nix bringt, aber jeder mal gemacht haben sollte).

So kam es dann auch, dass der kleine Stefan herhalten musste, aber zum Glueck nur auf der Strasse in 5min und nicht einen ganzen Tag in irgendeinem Hinterhof. Man sieht taeglich Leute der weltweit beruehmten Lokalzeitschrift “The Beijinger”  ueber den Campus laufen und Interviews machen und an eben jenem besagten Tag vor ein paar Wochen durfte ein Mitschueler von mir und ich unsere Schokoladenseiten vor die Kamera halten und ein paar Fragen beantworten, um dann auf Seite 9 eben jenem Magazins zu landen.

Die Frage die uns gestellt wurde, warf zugleich einige Gefuehle auf und regte im Nachhinein zum Nachdenken an. “Which food do you miss most in China?” Da wir ja in der Hauptstadt sind und es relaiv westlich zugeht und man eigentlich Zugang zu allen Sachen hat die man haben moechte, gibt es doch wenige Sachen die es kaum bis gar nicht gibt, oder einfach nur viel zu ueberteuert sind.

Brot und Kaese…bread-and-cheese1

Deutscher Standard der mich in den letzten fast 24 Jahren durchs taegliche Leben gebracht hat und hier mehr oder weniger nicht Existent zu sein scheint. Erst dann und auch jetzt grad beim schreiben faellt mir auf, dass ich ja nun seit mehr als 2 monaten kein einziges Stueck Brot oder Kaese gegessen hab,…  ob das gut oder schlecht ist lassen wir mal dahingestellt, ich vermisse es auf jeden Fall.


Apr 19 2009

Aller Anfang ist Schwer….

Man mag es kaum glauben… viele haben die Hoffnung schon aufgegeben, viele haben es mir von Anfang an nicht zugetraut. Aber der historische Tag ist gekommen (mit genau 2 Monaten Verspaetung). Der Blog nimmt Gestalt an und fuer jene, welche Interesse daran finden werd ich ab sofort in dieser Weise ueber mein Leben Unterwegs Bericht erstatten… also keine Sorge, es geht voran. Vielen Dank an Borahm, der die ganze Arbeit auf sich genommen hat.